Gedanken über mich und die Welt / just thinking...

Die SVP und ihr von hinten aufgezäumtes Pferd

Die SVP („Schweizerische Volkspartei“ für alle, die noch nicht das Vergnügen hatten) hetzt mal wieder, natürlich, denn man will ja das tun, was man besonders gut kann. Und leider finden sich da auch immer wieder genügend Leute, die nicht für sich selbst denken können oder wollen und einfach mal blind mitwatscheln. Total auf diese ewige Angstmacherei hereinfallen, autsch. (Natürlich gibt es auch Leute, die sehr wohl mitdenken und dennoch SVP wählen, weil sie dies so für sich abgewägt und entschieden haben, und die meine ich jetzt auch nicht, denn wir haben zum Glück Meinungsfreiheit, zumindest mal so festgelegt, und von dieser dürfen sie selbstverständlich Gebrauch machen. Sollen sie auch, unbedingt.) So zäumt die SVP denn, wie gehabt und man es nicht anders von ihr kennt, einmal mehr das Pferd von hinten auf, damit es auch ja nirgends hinführt und wir allesamt schön stehen bleiben und uns einfach mal eine Runde aufregen und polemisieren (was ich zugegeben ja auch gerade mache).

Ich liebe ihre so arg an den Haaren herbeigezogenen Argumente wie zum Beispiel, dass Homosexuelle keine Kinder haben sollten, weil diese gehänselt werden könnten. Ich wäre dann dafür, dass man auch gleich das Judentum verbietet, denn Hitler hätte Juden ja bekanntlich umgebracht – und das Problem sind dabei selbstverständlich die Juden und ganz bestimmt nicht Hitler. Genauso wie ich es auch totalst befürworte, dass man bei Kindern ansetzt, die allenfalls gemobbt werden könnten, sie zum Problemverursacher macht, und bloss nicht bei all den Eltern (SVPlern?), die zuhause ihre Kinder dazu anstacheln, solche Kinder zu mobben. Wo wären wir denn da…

Also lieber alles verbieten, was nur irgendwie auffallen oder aus der Reihe tanzen könnte. Gerne auch gleich noch Ausländer – das Lieblingsopfer der SVP-Anfeindungen -, Frauen vielleicht auch besser, zumindest all diese nervigen Emanzen, die gleichberechtigt werden wollen und es 1971 tatsächlich wagten, dann doch noch das Frauenstimmrecht in der Schweiz durchzusetzen, Sozialarbeiter, diese rotgrünen Fötzel, die Probleme schaffen, nur um daran zu verdienen (irgendwie amüsant sind sie ja, das muss man ihnen lassen, denn es lohnt sich bekanntlich finanziell total, Soziale Arbeit zu studieren und sich in dem Berufsfeld aufzureiben), und die Geisteswissenschaftler, wobei ich endlich mal dort ankomme, wo ich diesmal gerade hin will. 

Nun gut, ich bin etwas spät dran, aber ich war ja auch weg und nerven darf es mich dennoch. So scheint es für die SVP völlig ok zu sein, den Bauernbestand mit allen Mitteln künstlich zu erhalten und zu subventionieren, so dass die Bauern-Lobby nach wie vor ein unverhältnismässig grosses Gewicht im Land hat, gleichzeitig die Geisteswissenschaftler aber stark reduzieren zu wollen – vielleicht zuerst einmal in den eigenen Reihen anfangen? Dass zu viele Studenten, wie sie es nennen, „Selbstverwirklichungsfächer“ belegen, vor allem Frauen. Anstatt dies jetzt wieder künstlich zu regulieren und einzugreifen, könnte man sich auch einfach einmal fragen, warum dies wohl so ist. Natürlich, das erlebt man ja leider immer wieder bei der SVP, dass sie zermürbend unfähig sind, den Dingen objektiv und offen auf den Grund zu gehen und lieber die Energie aller mit sinnlosen Attacken vergeuden. Aber nur weil sie es nicht können, muss man es ja nicht ganz bleiben lassen.

Vielleicht wären da nämlich tatsächlich viele Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Ich habe nicht sonderlich viel Ahnung, gebe ich offen zu, verfolge auch möglichst nicht, was die SVP und die Schweiz allgemein gerade so treiben – „gschämig“, ja -, aber hab da jetzt doch mal zwei Hypothesen zu, so völlig frech von mir auf andere schliessend: 1. dass Frauen sich in unserer Arbeitswelt nicht so finden, da meiner Meinung nach auch nicht wirklich einen Platz haben – zumindest nicht als Frau, 2. dass viele den Sinn in unserer Gesellschaft und Arbeitswelt vermissen, nicht länger auf den Materialismus schwören, dass da eine Generation nachkommt, die andere Prioritäten hat. Und anstatt dies nun abzuwürgen, wie wäre es, dem einmal offen Raum zu geben, denn vielleicht liesse sich ja für uns alle etwas daraus gewinnen? Aber nein, sie sollen in ihren Entfaltungsmöglichkeiten beschnitten werden und sich in Berufsfelder zwängen, wo man beziehungsweise die SVP sie gerne hätte. Ich habe diese bünzlihafte Reglementiererei, die jegliche Kreativität im Keim erstickt, einfach arg satt. Da kann auch ich nicht aus meiner Haut.

Ich möchte jedenfalls glauben – und glaube auch -, dass wir alle unseren ureigenen Mix an Fähigkeiten mitbringen. Und es gilt nicht, diesen jetzt auf Biegen und Brechen anderen anzupassen, damit wir möglichst alle gleich sind *gähn* und unsere Fähigkeiten verkommen lassen, sondern diese zu nutzen, zum Wohle aller. Vielleicht – ich sage vielleicht, einfach mal rein hypothetisch betrachtet – gibt es zu viele Geisteswissenschaftler, aber vielleicht bewegt sich unsere Gesellschaft ja auch in eine neue Richtung? Schreitet voran, Fortschritt, sowas gibt es tatsächlich – wenn man ihn denn zulassen kann…

Anmerkung: So sehr sie mich auch immer wieder nervt und meine Knöpfe drückt, will ich damit jetzt tatsächlich nicht sagen, dass es die SVP nicht geben sollte. Denn das ist ja das Schöne am Schweizer System, dass verschiedenen Meinungen vertreten sind und sein dürfen. Da bin ich absolut dafür. Und niemand hat immer recht oder unrecht – ist ja auch eine Frage der Sichtweise und Definition. Ich finde es einfach müssig wieder und wieder über Dinge zu diskutieren und abzustimmen, die irgendwie nirgends hinführen, oder zumindest ordentlich an der Sache vorbei, und mehr der Angstmacherei und Akquirierung von Wählerstimmen zu dienen scheinen als irgendeinem weiteren gesellschaftlichen Zweck. Da haben wir doch alle mehr drauf als das. Auch das möchte ich zumindest glauben und glaube es auch. 

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