Gedanken über mich und die Welt / just thinking...

Lieben trotzdem

Mein einmal mehr höchst weiser Teebeutel sagt mir: „Nicht nur lieben weil, sondern lieben trotzdem“. Wie schön, denn ich möchte sehr gerne von allen möglichen Leuten, meinetwegen auch von allen, bedingungslos geliebt oder wenigstens akzeptiert werden. Ohne etwas leisten oder etwas sein zu müssen, das ich nicht bin. Doch umgekehrt hätte ich dann halt schon gerne, wenn meine Umwelt ein bisschen mehr so wäre, wie ich das gerne hätte. Ich bin schnell dabei, von anderen Akzeptanz einzufordern, aber akzeptiere ich denn auch? Bin ich wirklich so tolerant und liebend, wie ich das gerne wäre und von anderen erwarte? Jemanden zu mögen oder zu lieben, der mir Komplimente und Geschenke macht, der mir bei etwas hilft oder mich auch nur schon anlächelt, das kann ich (vielleicht), aber wie steht es denn darum, wenn dieser jemand mich kritisiert, meinen Geburtstag vergisst, mir den Gefallen, den ich so gerne von ihm hätte, verwehrt oder miesepetrig ist? Und wie steht es um all diejenigen, die ich für ihre Unliebe, ihre Intoleranz kritisiere, wie zum Beispiel gerade eben die SVP oder Rassisten, Chauvinisten und Homophobe, toleriere ich sie denn?

Ich kann es nicht gutheissen, wenn sich gewisse Leute das Recht herausnehmen, andere, wofür auch immer, zu unterdrücken und abzuwerten. Aber gleichzeitig muss ich dabei auch aufpassen, dass ich nicht genauso reagiere, wie sie agieren. Dass ich nicht gegen ihre Wut oder ihren Hass bin, dagegen mit gleichen Mitteln angehe, sondern mich im Positiven für etwas einsetze, das ich von ihnen vermisse; für die Liebe, für das Miteinander, für Toleranz*. Dass ich es selbst lebe, nicht nur weil, sondern trotzdem. Alle sind wir Menschen, so herrlich bunt durchmischt, und alle haben wir ein Recht auf Liebe und Respekt. Nicht für jede unserer Taten, da hauen wir wohl alle mal daneben, die einen abartiger, die anderen respektabler, aber für unsere Menschlichkeit, unsere Existenz.

Ich habe generell sehr hohe Ansprüche an mich und davon abgeleitet dann auch an andere. Wer schon einmal das Vergnügen mit mir hatte, kann dies bestens bezeugen. Das mit dem Lieben trotzdem fällt mir schwer, aber ich übe mich darin. Menschen nicht mit ihren Taten gleichzusetzen, sondern sie für das anzuerkennen, was sie sind. Darauf zu vertrauen, dass wir alle unsere mehr oder weniger guten Gründe haben, warum wir so handeln, wie wir es tun.

Vor allem muss ich dann auch meine Buhmänner aufgeben, auf die ich doch so gerne projiziere, wie besagte SVP und Bünzlis, Vorgesetzte und Arbeitgeber, Autoritätspersonen wohl generell, Schulmediziner und Pharmaindustrie, Machos, Chauvinisten und ehrlich gesagt auch Männer allgemein (voll die Verallgemeinerung hier, schlimm) und noch so einige mehr. Also lieben trotzdem, gerade dann… Denn brauche auch ich nicht gerade dann ganz viel Liebe, wenn ich mich aus Angst, Scham oder Wut heraus daneben verhalte, wie ich es diesen ja unterstelle?

*Meditationsidee (die ich mir immer wieder vornehme, aber mich viel zu selten darin übe): Wenn ich mal wieder GEGEN alles mögliche bin, stattdessen über das Gegenteil meditieren und somit meine Energie und Aufmerksamkeit auf das ausrichten, was ich eigentlich möchte. FÜR z. B. die Liebe und Toleranz anstatt immer nur GEGEN.

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2 Kommentare zu „Lieben trotzdem

  1. Liebe trotzdem ist die einzig wahre Liebe. Da nur sie selbstlos ist. Die lässt sich aber nicht so leicht erlernen. Sie widerspricht unserem Ich-bezogenen Wesen. Liebe ist daher eine Entscheidung und kein Gefühl. Gottes Liebe trotz der menschlichen Natur ist mein Vorbild.

    „Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“

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