Alltagsanekdoten / everyday life

Ich liebe meine mit Schmetterlingen bemalten lila Converse

Heute früh so der Gedanke beim Anziehen meiner mit Schmetterlingen bemalten lila Converse-Schuhe aus Camden Town, wie glücklich es mich doch macht, diese wieder tragen zu können. Da ich die letzten zwei Jahre auf Reisen war, hatte ich immer nur das Nötigste dabei und kaum Dinge, an denen ich gross hing. Das fand ich einerseits ja auch gut. So hatte ich es damals sehr genossen, mich von einem Grossteil meiner Gegenstände zu befreien, ordentlich zu entrümpeln, mich von all dem „Müll“ zu befreien, mit dem wir uns tagein tagaus so umgeben, da wieder mehr Raum zu schaffen.

Und jedes Mal, wenn ich wieder zu meiner Mutter kam, in ihre für meinen Geschmack zu vollgepackte Wohnung, und in mein ehemaliges Zimmer mit meinen Überbleibseln drin, erschlug es mich fast. Genauso auch in unseren Supermärkten und überall. All diese vielen unnötigen Dinge, die rumstehen und die wir mitschleppen. Nur schon was wir Frauen immer so alles in unseren Handtaschen mittragen… Schlussendlich doch alles nur Dinge, die oft zu Ankersteinen werden, uns mehr binden und die Luft zum Atmen nehmen, als dass sie uns bereichern. 

Jedes Mal, wenn ich also mit meinen verbleibenden Sachen konfrontiert wurde, habe ich als Erstes gleich wieder gemistet, auch jetzt, und auf Reisen sowieso immer. Liegen lassen für die, die es allenfalls brauchen können. So gab ich auch schon immer, abgsehen von wenigen Lieblingsobjekten, Bücher oder CDs, die ich gelesen oder gehört hatte, gleich wieder weiter, damit sie auch anderen zur Verfügung standen. Ist ja doof, wenn ich zuhause Dinge horte, die anderen „fehlen“.

Ich bin generell also eher im Krieg mit all den vielen Objekten, mit denen wir uns im Westen so umgeben – am liebsten wäre mir ein grosses, leerer, weiter Raum, der Luft zum Atmen, zur Entfaltung lässt, ohne all die vielen Objekte, deren Energie mich beeinflusst, die meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, die halt echt an mir zerren. 

Heute früh dann andererseits (ich habe mal gelernt, dass ein einerseits immer auch ein andererseits braucht, als kriegt es das jetzt auch) aber auch einmal der Gedanke in die andere Richtung. So sehr ich mich auch in Genügsamkeit üben wollte und immer noch will, mich möglichst nicht an Gegenstände binden möchte, heute früh dann doch dieser unglaubliche Genuss, wieder meine mit Schmetterlingen bemalten lila Converse tragen zu dürfen. Für andere absolut lächerlich und bedeutungslos, aber für mich halt so viel mehr… 

Und so geht es wie immer und überall wohl auch hier um den Weg der Mitte. Dass mich der Überfluss nicht glücklich macht, das ist klar und erwiesen, aber vielleicht auch nicht der absolute Verzicht auf jegliches menschliche Vergnügen, denn ja, ich bin und bleibe halt doch immer noch Mensch. Zudem ein Mensch, der in einem Land gross geworden ist, an dem es ihm an nichts mangelte, der sich folglich einen gewissen Standard gewöhnt ist.

Dass andere ihn nicht haben, bedaure ich immer wieder, doch ändert es nichts daran, wenn ich ihn prinzipiell von mir stosse. Zudem glaube ich, dass sich andere in ihrer „Einfachheit“ und Naturverbundenheit oft näher sind als wir hier mit all diesen Ablenkungen und Ersatzbefriedigungen, in denen wir uns verlieren (womit ich jetzt ganz bestimmt nicht rechtfertigen will, dass wir für unseren Wohlstand Entwicklungsländer und andere ausbeuten, so vonwegen wir tun ihnen damit ja eigentlich einen Gefallen.)

Da fallen mir jetzt wieder x Themen in alle möglichen Richtungen ein, aber die Aussage ist: Ich liebe meine mit Schmetterlingen bemalten lila Converse, ziehe Genuss daraus und gönne mir das. Ich könnte ohne – war ohne -, aber wenn sie da sind, geniesse ich sie. Genauso wie auch meinen lila Schal mit Bambi drauf von „Who Killed Bambi“, meinen blauen Kuschelpullover mit einem schlafenden Füchschen aus Berlin Friedrichshain oder meine Pikku-Myy-Geldbörse aus Helsinki – und dass ich nun alles gleichzeitig tragen und bei mir haben darf, das gibt mir ganz viel kuscheliges, kindliches Wohlgefühl. 

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