Alltagsanekdoten / everyday life

Berliner Löhne – wenn mir der Arsch auf Grundeis geht

Ich weiss nicht, wie sie das alle machen hier in Berlin. Für einen Hungerlohn zu arbeiten und in einer WG mit x anderen fremden Menschen zu hausen. Mir war klar, dass hier kein Schweizer Gehalt zu erwarten ist. Dass es das hier zum Leben auch gar nicht braucht. Als ich dann aber hörte, wie sehr sehr tief die Berliner Gehälter denn sind, da ging mir der Arsch erst einmal ordentlich auf Grundeis! Tut mir leid für die Ausdrucksweise, aber für drastisch miese Gehälter braucht’s auch drastische Ausdrücke. Da gibt’s kein Schönreden, die Gehälter hier empfinde ich als eine Zumutung und Respektlosigkeit am Mensch. Ich hab’s inzwischen nun schon von mehreren gehört, immer wieder, und es kann und darf meiner Meinung nach nicht sein, dass Leute, die Vollzeit arbeiten, davon kaum leben können. Ja, das gibt es auch in der Schweiz – gibt es tatsächlich, auch das eine Schweinerei -, aber während es dort vor allem Hilfsarbeiten betrifft, verdienen hier selbst Leute mit Bachelor-, Masterabschluss oder gar einem Doktortitel Gehälter, die sie zwingen, in Wohngemeinschaften zu hausen, damit sie überhaupt über die Runden kommen (wenigstens werden alle gleich scheisse behandelt). Und das in der deutschen Hauptstadt, echt jetzt? Ich kann’s noch immer nicht glauben, will es nicht glauben. Denn ich möchte hier ja gerne leben, aber das ist mir dann irgendwo etwas unsympathisch da ungewohnt = unbequem = anstrengend. 

Ja, da ist sie wieder, die verwöhnte Prinzessin, die es auch in meinen Namen geschafft hat. Weil es mir natürlich gerade auch in Asien immer wieder vorgeführt wurde, wie verwöhnt wir Schweizer doch sind, allgemein im Westen – mit Ausnahme anscheinend von Berlin und derzeit wohl auch Griechenland. Aber die Schweizer halt sowieso, das ist schon so, und ich auch, sehr. Mir wird hier auch immer klarer, warum die Deutschen so fleissig in die Schweiz einmarschieren – die Schweizer ja auch in Deutschland, aber dann mit voll gefüllten Wagenladungen wieder gehen. Die Deutschen, die bleiben. Zumindest bis sie die Schweizer Mentalität dann doch nicht mehr aushalten (wie jetzt gerade drei meiner Freundinnen) und lieber tiefe Löhne in Kauf nehmen als noch länger unser Bünzlitum (das Anfügen von Adjektiven verkneife ich mir mal). Beide Migrationsgründe kann ich inzwischen gut nachvollziehen – letzteren schon immer. Kleine Anmerkung: Da ich sowohl einen Schweizer als auch einen deutschen Pass besitze, sehe ich mich dazu berufen, über beide Länder herzuziehen und darf das. Zudem stört es mich, dass „Schweizer“ gross geschrieben wird, während man „deutsch“ klein schreibt. Und wer hat’s erfunden? Bestimmt die Schweizer. Um klar zu stellen, dass sie zu all den anderen Ländern, die man klein schreibt, bestimmt nie und nimmer dazugehören oder sonst etwas mit ihnen zu tun haben wollen. 

Aber warum geht es mir hier eigentlich? Eigentlich will ich ja nur sagen, dass ich Berlin eine tolle Stadt finde, mir gut vorstellen könnte, hier zu leben, mir die Löhne aber echt Sorgen machen und ich jeden bewundere, der sich damit gut arrangiert hat. Oder vielleicht ist es auch gar nicht so arg, wie es mir jetzt erscheint und es relativiert sich – eine gute Fee kommt und wedelt mit dem Zauberstab und macht einen sozialen Missstand irgendwie gut. Sie darf sich gerne bei mir melden. Denn wenn ich Vollzeit arbeiten soll und dann doch noch von meinem Ersparten leben muss, wenn ich alleine wohnen will, das befremdet mich schon. Willkommen im Leben?

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